Es ist kurz vor fünf Uhr in der Früh und ich bin bereits wach. Es tut gut um diese Uhrzeit aufzustehen, man fühlt sich dadurch irgendwie überlegen. Ich gehe auf meinen Balkon und schaue über die Stadt, sie scheint noch zu schlafen. Man sieht fast keine Autos und sogar noch weniger Menschen in den Strassen. Das ist meine Zeit, ich weiss nicht genau woran es liegt, aber ich glaube es hat mit dieser Ruhe zu tun. Eine noch schlafende Stadt strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, wenn die Sonne langsam hinter den Hochhäuser aufgeht, was für ein wundervoller Anblick.
Ich glaube nur de Apokalypse könnte noch schöner sein. Jeden Tage stehe ich auf obwohl ich eigentlich nicht weiss wieso ich nicht einfach liegen bleibe. Die meiste Zeit langweile ich mich ja doch nur. Ich gehe zu meinem Kühlschrank und starre hinein, ich sehe das Glas mit den abgetrennten Fingern und muss lächeln, daneben liegt ein Nippel, einsam auf einem viel zu grossen Teller. Ich nehme die fast volle Flasche Wodka heraus und setze mich vor meinen Computer. Ich schaue mir Pornos an, langweile mich jedoch zu sehr um zu masturbieren also stehe ich auf und nehme einen grossen Schluck. Ich ziehe mich an und verstaue sorgfältig zwei aufklappbare Rasiermesser und ein Jagdmesser mit einer siebzehn Zentimeter Klinge in meinen Jackentaschen. Fertig. Ich verlasse meine Wohnung, irgend etwas stimmt nicht, etwas ist anders als sonst. Ich weiss jedoch nicht was, also denke ich nicht weiter darüber nach und mache mich auf den Weg meine Tochter zu besuchen.
Sie heisst Mathilda und ist vor drei Tagen fünf Jahre alt geworden. Ihre Mutter und ich haben uns getrennt als sie noch nicht einmal auf der Welt war. Sie hat beschlossen wir würden nicht zueinander passen, sie konnte sich keine Zukunft mit mir vorstellen, ich mir mit ihr jedoch schon. Alle zwei Wochen darf ich meine Kleine sehen, ich freue mich schon darauf. Irgendwie bin ich gut drauf, ich entscheide, dass ich der Mutter meines Kindes Blumen mitbringen werden, also gehe ich in meinen Lieblingsblumenladen, hier gibt es die frischesten Blumen und die mit Abstand geilste Verkäuferin, ich glaube ja, dass sie eine Lesbe ist, aber so richtig sicher bin ich mir nicht. Ich kaufe eine rote Rose welche umringt von weissen Tulpen ist, kein Grünzeug, das würde nur das Bild zerstören. Während die Verkäuferin die Blumen zusammen bindet und einpackt frage ich sie ob sie feucht ist, sie antwortet nicht, ich frage erneut, jedoch gibt sie mir auch dieses Mal keine Antwort. Langweilig.
Auf dem Weg zu meiner Tochter komme ich an zwei brennenden schwarzen Autos vorbei, sie stehen hintereinander am Strassenrand und sind nahezu vollkommen identisch. Leute stehen um die Autos herum und unterhalten sich, ich gehe an ihnen vorbei und werfe nur einen kurzen Blick auf die Wracks.
„Morgen Früh ist es also so weit, ja?“ höre ich einen Mann aus der Menge sagen. Seine Stimme ist nicht besonders hoch und im ersten Moment hätte es auch eine Frau sagen können.
„Ja, es verläuft alles nach Plan, morgen gehört sie endlich wieder uns“, antwortet jemand.
Ich drehe mich um und versuche heraus zu finden wer gerade gesprochen hat, aber die Stimmen sind verschwunden, habe ich mir das gerade nur eingebildet? Ich schüttle den Kopf und gehe einfach weiter, ich höre eine Sirene und sehe aus den Augenwinkel wie sich ein Feuerwehrauto Richtung brennende Autos bewegt. Blaulicht, auch langweilig.
Mathilde macht mir die Tür auf und fängt an zu Lächeln, sie hat ein so wundervolles Lächeln, es ist als würde die Welt still stehen, auch wenn es nur für den Bruchteil einer Sekunde ist.
„Daddy, da bist du ja endlich, wir haben schon auf dich gewartet“, sagt sie mir noch bevor ich überhaupt einen Fuss in die Wohnung gesetzt habe.
„Ach ja habt ihr, da freu ich mich ganz besonders, wo ist denn die Mami?“ frage ich sie und streiche ihr dabei durch ihre dunkelbraunen Haare.
„Die sitzt in der Küche und trinkt Tee.“ „Maaami Maaami, Papa ist da, willst du ihn den nicht begrüssen kommen?“ ruft sie Richtung Küche, jedoch kommt keine Antwort zurück.
Ich gehe in die Küche und sehe die Mutter meines Kindes am Esstisch sitzen, sie sieht irgendwie wütend aus.
„Du kommst wiedermal zu spät, wo warst du so lange?“ bekomme ich als Erstes zu hören.
Ich gehe nicht näher auf die Frage ein und antworte:“Ich habe dir Blumen mitgebracht.“
Sie sieht die Blumen an bedankt sich mit einem kleinen Lächeln und gibt sie in eine Vase, welche sie im Wohnzimmer auf ein kleines Regal stellt. Hübsch, aber langweilig.
Mathilda erzählt mir was sie die letzten Woche getan hat, wie sie mit Mami auf dem Spielplatz war. Welche Tiere sie ihm Zoo gesehen hat und dass Giraffen seit dem Besuch im Zoo ihre Lieblingstiere sind. Wir spielen ein Kartenspiel und lachen sehr viel. Die Mutter meines Kindes beobachtet mich die ganze Zeit und lässt mich eigentlich nie aus den Augen. Während des Kartenspiels erfahre ich, dass Mathilde heute Abend bei ihren Grosseltern sein wird.
„Was machst du denn, dass du nicht auf unsere Tochter aufpassen kannst?“ frage ich sie während Mathilda kurz für kleine Mädchen ist.
„Das geht dich nichts an, ich kümmere mich gut um meine Tocher, auch wenn du das nicht glauben magst“, antwortet sie mit einem gleichgültigen Gesichtsausdruck.
Mathilda kommt zurück und wir spielen noch etwas bevor die Mutter meines Kindes feststellt, dass ich noch etwas zu tun habe und wieder gehen muss. Ich weiss mittlerweile, dass ich gar nicht erst mit ihr diskutieren muss, also packe ich meine Sachen und küsse Mathilda zum Abschied liebevoll auf die Stirn. „Bis bald Kleines“, sage ich zur Verabschiedung und forme mit meinen Lippen die Worte „Ich liebe dich“. Sie umarmt mich noch ein letztes Mal und danach mache ich mich auf den Weg.
Auf dem Weg in meine Wohnung sehe ich eine junge Frau auf einer Bank sitzen. Sie hat lange brünette Haare, welche zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden sind, und wirkt auf den ersten Blick irgendwie traurig. Als ich jedoch näher komme erkenne ich, dass sie nicht traurig ist sondern einfach nur gleichgültig wirkt. Sie trägt eine recht weite hellblaue Jeans und einen schwarzen Kapuzzenpullover. Darunter kann ich ein weisses Tanktop sehen. Als ich näher komme sieht sie mich kurz an und starrt dann wieder auf den Boden. Ich bleibe vor ihr stehen, aber sie schaut mich nicht noch einmal an. Ich setze mich neben sie und frage ob alles in Ordnung ist, sie zuckt nur mit den Schultern. „Kann ich dir helfen?“ frage ich sie, jedoch bekomme ich auch auf diese Frage nur eine Schulterzucken als Antwort. „Bist du in Schwierigkeiten?“ wieder die gleiche Reaktion. Sie ist vielleicht zwanzig Jahre alt, wenn nicht sogar etwas jünger. „Willst du alleine sein, möchtest du, dass ich einfach weitergehe?“ frage ich, diesmal schüttelt sie den Kopf, also nein. Was wohl mit ihr passiert ist, dass sie so gleichgültig wirkt. Ich zünde mir eine Zigarette an und biete ihr auch eine an, sie nimmt sie ohne eine Reaktion zu zeigen. Sie zieht ein Feuerzeug aus der Tasche und zündet sie an. Wir sitzen einfach nur da und rauchen, ich stelle ihr keine weiteren Fragen.
„Willst du mich ficken, willst du ihn reinstecken? Kostet dich einen Hunderter und für Dreihundert erfüll ich dir sogar jeden deiner perversen Wünsche“, sagt sie gleichgültig.
„Wie wäre es wenn ich dir Fünfhundert gebe und dich einfach nur zum Essen einlade, wäre das nicht ein bessere Deal?“ antworte ich ihr mit einem Lächeln.
„Ok, ich mag Pizza. Können wir zu dir gehen und Pizza bestellen?“
„Wenn es das ist was du möchtest, liebend gern“, antworte ich ihr. Sie hat noch immer diesen gleichgültigen Gesichtsausdruck.
Als wir bei mir ankommen beginnt sie sofort sich auszuziehen. „Wo ist das Badezimmer?“ fragt sie während ihre Hose zu Boden kleidet und sie nur mit einem Tanga vor mir steht. „Zweite Tür links.“ Sie schlüpft aus dem Tanga und geht ins Badezimmer, kurz darauf höre ich wie die Dusche angeht.
Als sie wieder aus der Dusche kommt wurde die Pizza bereits geliefert, ich habe ihr eine mit Schinken bestellt weil die irgendwie jeder mag. Sie trägt meinen Bademantel und er passt ihr obwohl wir definitiv nicht die gleiche Grösse haben. Sie nimmt sich ein Stück und murmelt mit ihrem vollen Mund eine „Danke“ in meine Richtung. „Keine Ursache“, antworte ich ihr. Mit ihren Augen fragt sie mich ob sie den Fernseher einschalten darf und ich nicke. Sie schaltet einfach nur die Sender durch und verbleibt auf jedem nur einige Sekunden. Nachrichten, weiter, Serie, weiter, Bericht über Schönheitsoperationen, weiter, Wetterbericht, weiter, Musikvideo, weiter.
„Willst du mich vögeln?“ fragt sie mich und spreizt dabei ihre Beine.
„Willst du, dass ich dich vögle?“ gebe ich ihr als Antwort zurück.
„Warum nicht, mir ist irgendwie langweilig“ sagt sie mir emotionslos ins Gesicht.
Sie zieht den Bademantel aus und holt meinen Schwanz aus der Hose heraus ohne mich weiter auszuziehen. Sie setzt sich auf mich und fängt zu reiten an. Ihr Gesicht bleibt die ganze Zeit gleich und zeigt keine Regung. Nachdem sie nicht besonders feucht ist kommt sie mir besonders eng vor. Ich will es zu Ende bringen und stelle mir vor wie es wohl wäre ihre Gedärme aus dem Bauch rauszuschneiden und komme wenige Minuten später in ihr. Ich bin froh, dass ich gekommen bin bevor mir auch diese Vorstellung gelangweilt hätte. Sie steht auf zieht meinen Bademantel wieder an und setzt sich neben mich. Ich verstaue meinen Schwanz wieder in der Hose und zünde mir eine Zigarette an. Ich biete ihr ebenfalls eine an, die sie mit einem Kopfnicken annimmt. Jetzt sitzen wir nebeneinander ohne auch nur ein Wort von uns zu geben. Ihr Gesicht hat noch immer kein Gefühl gezeigt, noch nicht einmal angedeutet. Irgendwie ist sie faszinierend. Könnte sie so sein wie ich? Ist es möglich, dass ich nicht alleine bin?
Der Rest des Abends verläuft ruhig und ich lasse sie in meinem Bett schlafen während ich mich auf der Couch in den Schlaf trinke.
Ich wache auf, ich bin in meinem Bett. Wie bin ich hierher gekommen? Wo ist sie? Ich stehe auf und sehe sie am Fenster stehen und in die Ferne starren. Ich gehe zu ihr und frage sie ob sie gut geschlafen hat. Sie antwortet mir nicht. Die Sonne geht auf, ich halte ihre Hand, sie ist kalt. Ich schaue in das Licht, irgend etwas ist anders, die Sonne ist viel zu hell für diese Uhrzeit. Es wird auf einmal unglaublich warm. Ich schaue zur Seite und sie ist weg. Meine Hand hält nicht ihre Hand sondern ist an die Fensterscheibe gedrückt, jetzt wird mir auf einmal alles klar als …
Mein Name ist Victor Verath. Ich dachte ich hätte es unter Kontrolle, ich dachte ich könnte zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden, aber ich konnte es nicht. Für mich war alles gleich, Träume, Erinnerungen, Fantasien, Gegenwart und Vergangenheit, einfach alles. Nahezu Alles ist für mich gleich langweilig. Ich weiss nicht wann ich die Kontrolle verloren habe oder ob ich sie jemals gehabt habe, ich weiss nur, dass es nun keine Rolle mehr spielt. Nichts ist wichtig, da das menschliche Leben nur darauf abzielt den Tod zu finden. Wir sind dazu bestimmt zu Sterben. Wir sind die Vergessenen.